Die Gesänge des Maldoror - ein lesenswertes Buch
"Weltbewegende sadistische Poesie" wird dieses Meisterwerk von Lesern
auf Amazon genannt. Da ich Literatur durchaus als eines meiner Hobbys
bezeichne, wird es mal Zeit eines meiner Lieblingsbücher zu besprechen.
Doch was ist das überhaupt für ein Buch? Der aus Uruguay stammende Autor
Isidore-Lucien Ducasse, der bereits im Alter von 24 Jahren unter
kümmerlichen Bedingungen in Paris an Schwindsucht verstarb schrieb
dieses Buch bereits im Alter von 20 Jahren.
Es gilt nicht umsonst als grausam, teils eklig und doch als Meisterwerk.
Auch wenn es das einzig je fertiggestellte Werk Ducasses ist, so läßt
doch sein großartiges schriftstellerisches Talent erkennen.
In dem Werk geht es um einen jungen Mann namens "Maldoror" (Vergolder
des Bösen), der an der Menschheit zweifelt, und Gott als den Schöpfer
für eben dessen Erschaffung aufs grausamste anklagt, indem er in
Maldoror alle Niederträchtigkeiten und Abartigkeiten eben dieser
Menschheit konzentirert, und ihn diese in bildgewaltiger Flut erleben
läßt. Auf diese Art hält er Gott und damit auch seinen Lesern einen
Spiegel vor, hinter dem in der Essenz eigentlich immer wieder die schon
in der Einleitung getroffene Aussage steckt. "Meine Dichtkunst wird nur
darin bestehen, den Menschen, dieses Raubtier, mit allen Mitteln
anzugreifen und mit ihm den Schöpfer, der ihn nicht hätte erzeugen
sollen."
Lange zensiert und von einem Verleger erst nach seinem Tod zum ersten
mal veröffentlicht ist das Buch, wie der Autor selber festhält
sicherlich nicht für jedermann geeignet und man sollte es sich gut
überlegen, ob man bereit ist in seine Welt hinabzutauchen.
Kaum ein Buch dürfte noch immer so aktuell so stark polarisieren. Man
wird es lieben oder es angewiedert in die Ecke werfen. Die
Ausführlichkeit und Detailverliebtheit mit der Ducasse selbst die
abartigsten Verbrechen beschreibt, ist bisweilen verstörend und
erschütternd, doch macht man sich klar, unter welchen Umständen dieses
Werk geschrieben wurde, weckt sein Werk auch ein erstaunliches
Verständnis. Weniger für den Protagonisten Maldoror als viel mehr für
den Autor, der sich in jungen Jahren, dem sicheren Tode geweiht
plötzlich fragt, was ist das für ein Gott von dem die Religion da
spricht. Berücksichtigt man die deutlich größere Bedeutung die der
Glaube zu dieser Zeit in der Gesellschaft gespielt hat, wird Ducasses
Anklageschrift verständlicher.
Doch wie bereits gesagt auch das Alter des Buches ändert nichts an
seiner immer noch existierenden Aktualität. Ich besitze dieses Buch seit
fast 25 Jahren und komme nicht umhin immer mal wieder einen der Gesänge
zu lesen und darf mich damit wohl als einer der Leser outen, die dieses
Buch lieben.
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